[ ZeitGeist! ]: Tankstellen sind auch nicht mehr was sie einmal waren..

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Ein Nachruf auf die echten Tankstellen,
von: Doc GermaniCus, ca. 2003, Überarbeitet: 18 / 08 / 08

 

„Tankstellen..
sind auch nicht mehr das was sie einmal waren..!“

 

Oder: „Ich will kein Bier von allen sieben Kontinenten,
ich will nur etwas ganz gewöhnliches,
 für mein „heiliges Blechle“ Auto!!!“

 

Wer Auto fährt braucht auch hin und wieder mal etwas mehr als nur Benzin, Wasser, Luft und Liebe an der Tankstelle..

So erging es mir also vor 4-5  Jahren mit unserem alten Mercedes, als wir nach Hause fuhren: Irgendwo auf der Strecke rutschte das Automaikgetriebe wegen mangelndem Ölstand durch.. völlig naiv und blauäugig beruhigte ich meine „damalige beste aller Ehefrauen“: „Kein Problem Liebling! Da vorne kommt schon eine Tankstelle!“

Ich bog gleich bei der „Muschel-Station“ ein und stellte mich auf den Parkplatz. Dort fanden sich schon einige Biker an einer Gartenbankgarnitur zu einem fröhlichen Umtrunk ein.  Und bereits an der Schaufensterfront der Tankstelle kamen mir mehrere maximal 11 – 12-jährige Kiddies mit Sixpacks und Alkopops beladen entgegen, während ich hinter einer stattlichen Auswahl von Bierkisten aus aller Welt den Eingang zur Tanke suchte!

Langsam erhoben sich Zweifel in mir, ob ich denn hier auch an einer Tankstelle für Autos angekommen war oder an einer Abfüllstation für Verkehrsteilnehmer..

 

Aber beim Betreten der Tankstelle fand ich dann letztendlich doch -zwischen Millionen von Zeitungen, weiteren 10 Millionen Biersorten, Süßigkeiten und dem Inhalt von drei ausgewachsenen Weinkellereien!- ein kleines aber feines Ölregal vor! „Respekt!“, dachte ich mir.

 

Und was soll ich Euch sagen? Es gab zwischen all dem Alkohol sogar tatsächlich auch noch etwas fürs Auto: Sündhaft teueres Motorenöl in kleinen Flaschen, noch teureres und „hightec-erisches“ Öl  in noch kleineren Pullen.. Ja sogar Spezialöle für Motorboote und Rasenmäher..!

Aber irgendein Getriebeöl, geschweige denn eines speziell für Automatikgetriebe, suchte ich vergebens! „DAS kann doch nicht sein!“, dachte ich immer noch völlig naiv und blauäugig, und wandte mich vertrauensvoll an die Verkäuferin: „Hallo, wo bitte haben sie das Getriebeöl? Ich brauche welches für Automatik!“   Völlig verdattert schaute mich die Guteste an und fragte völlig verwirrt: Was für Öl..? Sind die nicht alle fürs Auto? Also eigentlich haben wir nur das was da hinten im Regal steht..“   Tja -nun.. die Allerbeste hatte keinerlei Schimmer was ich eigentlich wollte! Und dabei lacht einem doch an der Zapfsäule das„Wenn Sie irgendwelche Fragen zu unseren Kraftstoffen haben, wenden Sie sich bitte an unser Fachpersonal!“ – Schild, höhnisch entgegen..!

Verarschen kann ich mich ggf. auch selber! *grummel*
Andererseits: Öl ist ja auch kein Kraftstoff.. Glaub das zählt zur Spezies der sogenannten Betriebsmittell..?

 

Was in dreieinhalb Erwin Teufels Namen soll mir dieses .. ähem „Fachpersonal“ denn über Kraftstoffe erzählen können..??? Vielleicht „Nein, wir führen kein Thai-Ginseng“..? Oder „Doppelherz und Galama gibt es in der Apotheke..? Möglicher Weise stammt dieses „Fachpersonal“  aber auch aus einer Boutique und könnte mir etwas von den verschiedenen kräftigen Denimstoffen oder Leinen erzählen..?

Whatever: Fachpersonal ist heute auch an Tankstellen Mangelware, wie überall im Handel und Dienstleistungssektor! Oder vielleicht sogar ganz besonders an Tankstellen ganz besondere Mangelware!

 

Da lob ich mir doch die Tankstellen aus meiner Jugendzeit! Da war der Tankstellenpächter bzw. -Besitzer immer irgendwie ein Autobastler, Autobegeisterter oder sogar ein Automechaniker. Er bastelte meist (billig!) an irgendwelchen Schrottmühlen in der Miniwerkstatt nebenan (da wo heute die Waschstraßen drin stehen!) herum und gab meist -ungefragt aber gratis!- viele mehr oder weniger wertvolle Tipps zur Autopflege und Instandhaltung.

Die Besonderheiten vom Zubehör das er verkaufte konnte er immer aus dem Stegreif heraus -ohne auf der Verpackung nach zu sehen!-  jederzeit erklären! Bei kleineren Problemen und Pannen schaute er sofort(!) nach dem Rechten, bzw. dem Auto! Dazu brauchte man keine Anmeldebögen ausfüllen, keine Kfz-Scheine, keine Termine.. Und das alles zum absolut familienfreundlichen einmaligen Vorteilspreis von 5-20 Mark! 

An der Kasse stand meistens seine bessere Hälfte, die in den meisten Fällen mehr von Fach-Kraft bzw. Fachperson in sich hatten, als heut zutage das gesamte  sogenannte „Fachpersonal“ von 1.000 gegenwärtiger (Bier-)Zapfstellen ..Ähem: ..Tankstellen zusammen..!

Und Ihr mögt es mir glauben oder nicht: aber damals gab es an jeder besseren Tankstelle alle gebräuchlichen Öle, jeden üblichen Keilriemen, Zündkerzen, Autosicherungen, Scheibenwischer, Ersatzbirnen und für die Kinder gab es ab 20l (oder waren´s nur 10l !?) Benzin Sammelbilder (DIN A4!) gratis! Und das was wir heute nur noch aus Ami-Filmen kennen, gab´s damals live: Der Tankwart betankte die Autos seiner Kunden! Aber nicht nur das, er reinigte mindestens die Frontscheibe, schaute nach dem Öl und füllte es auch noch höchstpersönlich in das richtige Loch im Motor! Dann kontrollierte er Dir auch noch den Luftdruck in den Reifen. An guten Tagen auch inklusive dem Reserverad! 

 

Nun gut..  an Bier und anderen Alk den heute 11-jährige im Rucksack aus den Tankstellen schleppen, gab es damals keine so große Auswahl. Aber ehrlich gesagt hab ich das damals auch niemals wirklich vermisst! Ebenso wenig wie das Dutzend Sorten von chilenischen und kalifornischen Wein, die 10.000 Schokoriegel, die drei Tonnen Zeitschriften..!

Ich will doch nur tanken, ab und zu einmal ne Autosicherung, eine Ersatzbirne oder eben so etwas simples wie Getriebeöl für die Automatik!

Aber Tankstellen sind eben auch nicht mehr was sie einmal waren..!

 

Doc GermaniCus, ca. 2003, Überarbeitet: 18 / 08 / 08

 

 







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