[ TADEL! ]: Datenschutz: "Zuckerbergs Sprüche sind dumm!"

Georg Markus Kainz: quintessenz
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[ TADEL! ]:

Datenschutz:  „Zuckerbergs Sprüche sind dumm!“

Wirtschaft und Staat wetteifern um persönliche Informationen der User!

Georg Markus Kainz: quintessenz

Wien (pte001/15.10.2011/06:00)

– Derzeit vergeht kaum eine Woche, in der kein Datenschutzskandal für Schlagzeilen sorgt. Kriminelle, Hacker, Regierungen und Wirtschaft sammeln alle Informationen, die sie kriegen können.

Georg Markus Kainz, Präsident von quintessenz http://quintessenz.at , dem Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter, erklärt im Interview, warum es wichtig ist, sich zu wehren.

Der Verein verleiht jährlich die Big Brother Awards, eine „Auszeichnung“ für die schlimmsten Datenschutz-Verbrechen. Dieses Jahr werden die „Preisträger“ am 25. Oktober im Wiener Rabenhof bekannt gegeben.

 

 

FRAGE: Heute lagern wir mehr Information in die Cloud aus als je zuvor. Gehen die Menschen zu sorglos mit ihren Daten um?
Kainz: Bis vor kurzem war alles, was auf dem Computer geschrieben wurde, lokal gespeichert. Plötzlich sind diese Daten irgendwo, in irgendeinem Land, auf irgendeiner Maschine. Mit dem Web 2.0 haben die Firmen bemerkt, dass man mit Nutzerdaten etwas machen kann. In der Cloud können meine Daten auch von Überwachungsstellen einfach gelesen werden. Wirtschaftsspionage wird ebenfalls leichter.

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FRAGE: Ist den Nutzern egal, was mit ihren Daten passiert?

Kainz: Nein. D en dummen Sprüchen von Zuckerberg und Co nach stellen die User alles freiwillig online. Wenn ich heute auf Facebook privat mit jemandem rede, heißt das nicht, dass ich das veröffentlicht habe. Wir haben beim Erfinden des Telefons das Kommunikationsgeheimnis entwickelt, für das Internet brauchen wir ähnliche Regeln.

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FRAGE: Wenn Zuckerberg sagt, dass die Privatsphäre der Vergangenheit angehört: Müssten die Nutzer dann nicht wissen, dass online gestellte Inhalte nicht privat sind?

Kainz:  Viele Leute kriegen gar nicht mit, was alles verwendet wird. Facebook und alle anderen dürfen diese Daten nicht verwerten. Wenn ich meinem Freundeskreis etwas zuschicke, dann muss das privat bleiben. Die Nutzer müssen lernen aufzupassen, was sie irgendwo schreiben. Die User müssen das Recht auf einen Löschknopf haben. Jeder soll Daten über sich oder von sich, die im Internet stehen, löschen können.

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FRAGE: Wer hat den größeren Datenhunger: Wirtschaft oder Regierungen?

Kainz:  Die Wirtschaft hat damit begonnen, Daten zu sammeln. Dann haben die Regierungen gemerkt, dass die Wirtschaft besser informiert ist. Viele Gesetze kommen auch vom Neid der Verwaltung, der Regierenden. Insofern kann man nicht sagen, wer den größeren Datenhunger hat. Beide sind unersättlich.

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FRAGE: Glauben Sie, dass sich langsam Widerstand gegen diesen Datenhunger regt?

Kainz:  Das Bewusstsein in der Bevölkerung wächst. Das merke ich auch in vielen Gesprächen.  Sobald man erklärt, was hier passiert, merken die Leute, dass der Satz „Ich passe auf, was ich ins Internet stelle“ schon lange nicht mehr gilt. Dass heute sehr viele Gruppierungen wissen, wo ich mich im Moment aufhalte, ist ein neues Phänomen. Daraus entstehen Reaktionen wie die Klage gegen Facebook.

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FRAGE: Kann man die rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene regeln oder muss sich die EU darum kümmern?

Kainz:  Die nationale Ebene darf nicht schlafen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Wirtschaft und die Technik global organisiert sind, während die Gesetzgebung auf nationaler Ebene funktioniert. Deshalb wird eine Regelung auf EU-Ebene nicht ausreichen. Es wird längerfristig notwendig sein, dass ein weltweiter Kodex entsteht.

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FRAGE: WikiLeaks und andere haben gezeigt, dass nicht nur Privatpersonen in Sachen Datenschutz angreifbar sind. Wie verwundbar ist die Wirtschaft selbst?

Kainz:  Durch die Technik und die Vernetzung haben Institutionen die gleichen Sicherheitsrisiken wie Enduser. Datenschutz betrifft den Schutz des Individuums vor Ausbeutung durch die Öffentlichkeit oder durch Firmen. Der Grundgedanke von WikiLeaks ist, dass Entscheidungen und Materialien des Staates öffentlich sein müssen. Das ist auch das Selbstverständnis einer Demokratie. Die Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, was passiert.

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FRAGE: In letzter Zeit wurde wieder vermehrt der Klarnamenzwang im Internet gefordert. Ist Anonymität im Internet aus Ihrer Sicht ein Hindernis?

Kainz:  Nicknames sind ein elementarer Bestandteil der Kommunikation im öffentlichen Raum. Wenn ich zurückdenke, was ich vor drei Tagen gemacht habe, dann kann ich mich nicht erinnern. Das menschliche Hirn und die Gesellschaft vergessen. Das Internet hingegen vergisst nie. Schwarze Schafe wird es immer geben, aber Klarnamenzwang kann nicht die Lösung sein. Wenn jemand mit einem Nickname gegen gute Sitten oder Gesetze verstößt, dann muss man das lokal auf den Plattformen ahnden.

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FRAGE: Facebook und Co werden oft für ihre Rolle beim arabischen Frühling gelobt. Haben Social-Media-Seiten fernab der Datenschutz-Debatte auch eine gute Seite?

Kainz:  Man muss sehr deutlich zwischen Technologie und Angebot unterscheiden. Facebook ist keine Technologie, sondern ein Anbieter wie Gmail. Die Darstellung, dass Facebook und Co irgendwas zu den arabischen Revolutionen beigetragen haben, ist falsch. Die Revolutionen in Afrika waren aufgrund der modernen Internettechnologien möglich.

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FRAGE: Smartphones sind zum Massenphänomen geworden. Wie angreifbar sind Handys aus der Datenschutz-Perspektive?

Kainz:  Smartphones sind unsere Spielwiese für die nächsten Jahre. Was die User sich heute ans Ohr drücken, ist von der Leistungsfähigkeit her mit einem PC zu vergleichen. Alle Sicherheitsmaßnahmen, die wir für den PC erfunden haben, gelten aber für Smartphones nicht, weil sie als Telefone wahrgenommen werden.

Was eine App im Hintergrund alles macht, wissen die Wenigsten. Ich würde sicherheitsrelevante Anwendungen nicht auf dem Handy ausführen. Handys müssen wie Spielzeuge behandelt werden, dann kann nicht viel passieren. Man muss im Hinterkopf behalten, dass wir mit dem Handy einen Spion in unserer Tasche haben.

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FRAGE: Welche drei Tipps würden Sie unseren Lesern geben, um sich besser zu schützen?
Kainz:  Erstens:  Bei allem, was User unter ihrem echten Namen irgendwo im Internet posten, müssen sie überlegen, ob sie zu der gleichen Aussage in zehn oder 20 Jahren auch noch stehen können. Was ein 14-Jähriger in seiner Sturm-und-Drang-Zeit postet, das muss er auch in 30 Jahren, wenn er sich um den Posten eines Abteilungsleiters bewirbt, noch vertreten können.

Zweitens:   Wenn ich Technologie nutze, muss ich überlegt handeln. Nicht einfach nur OK drücken, sondern wirklich die Privatsphäreeinstellungen überprüfen, auch bei Handys. Man sollte nicht jeden technischen Schnickschnack mitmachen ohne nachzudenken. Drittens: Freiheit und Bürgerrechte gibt es nicht umsonst. Je lauter der Protest wird und je mehr Leute sich beteiligen, desto mehr von unseren Rechten werden wir auch wieder zurückbekommen.

 

 

–DG-:  Vielen Dank für das Gespräch!

(Ende)

 

 

 

 









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