[ CC! }: Kopieren als Chance!

Cory Doctorow ist nicht nur ein erfolgreicher Science-Fiction-Autor, bekannt wurde er auch durch den populären Weblog "Boing Boing" und als Copyright-Aktivist.
Cory Doctorow:

Creative Commons: Kopieren erwünscht!

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Kopieren als Chance!

Creative Commons / „Kreatives Allgemeingut“

 

Aus der NDR– Reihe: Creative Commons: Kopieren erwünscht,
von Meike Richter (NDR)

Cory Doctorow at Worldcon 2005 in Glasgow, Aug...
Cory Doctorow at Worldcon 2005 in Glasgow, August 2005. Picture taken by Szymon Sokół. (Photo credit: Wikipedia)

Cory Doctorow ist nicht nur ein erfolgreicher Science-Fiction-Autor, bekannt wurde er auch durch den populären Weblog „Boing Boing“ und als Copyright-Aktivist. Der Kanadier setzt sich dafür ein, dass sich das Urheberrecht besser an die Regeln der digitalen Welt anpasst. Doctorow bietet seine Bücher zum freien Herunterladen auf seiner Webseite craphound.com an.

Das kurbelt den Absatz seiner gedruckten Werke an, sagt er. Auch sein neuestes Buch „Backup“, erschienen bei Heyne, ist im Netz frei erhältlich.

Doctorow nutzt das alternative Urheberrechtssystem Creative Commons (etwa „Kreatives Allgemeingut“), das den Urhebern eine flexiblere Handhabung ihrer Rechte erlaubt. Zum Beispiel dürfen Inhalte unter bestimmten Bedingungen frei kopiert werden.

 

NDR Online: Ihre Bücher erscheinen in einem renommierten Verlag, aber Sie sind auch umsonst im Netz erhältlich. Warum geben Sie Ihre Bücher frei?

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cory doctorow portrait
cory doctorow portrait (Photo credit: Wikipedia)

Cory Doctorow: Dafür gibt es viele Gründe. Meine Intuition hat mich zuerst dazu verleitet. Mir ist aufgefallen, dass Leute meine Bücher im Netz kopiert haben. Bücher ins Netz stellen, ist umständlich. Man muss jede Seite scannen, später die Textdateien händisch säubern. Ich habe das auch mal probiert, es hat mich 80 Stunden gekostet. Und ich musste das Buch kaputt schneiden. Ich dachte, wenn jemand mein Buch so toll findet, dass er diese Mühsal auf sich nimmt – da gebe ich es ihm lieber so. Und diese Person kann die 80 Stunden investieren, um Werbung für mein Werk zu machen. Später habe ich besser verstanden, warum ich intuitiv so gehandelt habe. Der Verleger Tim O’Reilly sagt: „Das größte Problem der Autoren ist nicht Piraterie, es ist Unbekanntheit“. Die meisten Menschen, die meine Bücher nicht kaufen, tun das, weil sie noch nie von mir gehört haben. Und nicht, weil ihnen jemand eine kostenlose elektronische Kopie gegeben hat.

NDR Online: Welche Gründe gibt es noch?

Cory Doctorow: Romane lassen sich schlecht am Computer lesen. Am Bildschirm lesen ist unbequem. Und Computer lenken ständig ab. Kaum sitzt man davor, chatten Freunde einen an, Mails wollen beantwortet werden, dann recherchiert man etwas bei Wikipedia und so weiter. Es braucht eiserne Disziplin, um dranzubleiben. Disziplin und Science Fiction genießen – das passt nicht zusammen. Wenn Leute freie Kopien meiner Bücher kriegen, können sie sich wenigstens so lange konzentrieren, bis sie sich entschieden haben, ob sie es kaufen wollen oder nicht. Das geht mit einem Klick. Und wenn sie die freie Datei meines Buches noch mit ihren Freunden teilen, verkaufe ich noch mehr Bücher. Im Buchgeschäft ist schließlich nichts überzeugender als eine persönliche Empfehlung.

NDR Online: Dass Sie Ihre Bücher umsonst im Netz anbieten hat also weniger idealistische Gründe? Das ist eher Marketing-Strategie?

 

English: The editors of Boing Boing, L-R: Davi...
English: The editors of Boing Boing, L-R: David Pescovitz, Xeni Jardin, Cory Doctorow, and Mark Frauenfelder. (Photo credit: Wikipedia)

Cory Doctorow: Es gibt schon eine idealistische Komponente. Aber die braucht es nicht, um zu verstehen, warum ich so handele. Ich habe immer schon so gearbeitet. Kopieren wird nicht schwieriger, es wird immer einfacher. Und das ist gut so. Das klingt nicht wie ein radikales Statement, aber für manche Menschen ist diese Tatsache ein Horror-Szenario. Je besser Computer kopieren, desto einfacher ist es für wertvolle Dinge, sich zu verbreiten. Wir rühren hier an einem alten menschliches Problem: Wertvolle Güter sind knapp. Darum ist es schwer, sie angemessen zu verteilen. Ganz anders im Internet: Je wertvoller etwas ist, desto einfacher wird es, dieses Gut zu kopieren. Das ist ein großer Schritt für die menschliche Zivilisation.

NDR Online: Sie sprechen von der digitalen Allmende?

Cory Doctorow: Genau. Das Konzept der Allmende, das bedeutet in etwa „Allgemeingut“, stammt aus dem Mittelalter. Beispielsweise gab es eine Gemeindewiese, wo jeder seine Schafe weiden lassen durfte. Wir sprechen von der „Tragödie der Allmende“: Derjenige, der seine Schafe dort hat weiden lassen, bis alles weggefressen und die Allmende zerstört war, hat sich am schlauesten verhalten. Denn handelt der Schäfer nicht so, macht es eben ein anderer. Das Internet aber ist eine Allmende, wo die Schafe Gras scheißen. Je mehr sie grasen, desto mehr wächst die Allmende. Denken Sie an die Musiktauschbörse Napster. Man lud eine Musikdatei herunter und automatisch stellte man eine weitere Kopie der Datei bei Napster bereit.

NDR Online: … Information wächst durch Teilung …

Cory Doctorow ist nicht nur ein erfolgreicher Science-Fiction-Autor, bekannt wurde er auch durch den populären Weblog "Boing Boing" und als Copyright-Aktivist.
Cory Doctorow:

Creative Commons: Kopieren erwünscht!

 

Cory Doctorow: Das ist die uralte Parabel des Internet. Der Science-Fiction-Autor Spider Robinson hat es mit einem schönen Gleichnis gesagt: Teilen sich 400 Menschen einen Apfel, profitiert niemand, am wenigsten der Apfel. Teilen sich 400 Menschen eine Datei, profitieren alle – vor allem die Datei: Sie wird wertvoll. Jaron Lanier, das ist der, der den Begriff „Virtuelle Realität“ geprägt hat, drückt es so aus: Der beste Weg, um Information aufzubewahren, ist, sie in Kakerlaken-DNA zu speichern. Sogar nach einem nuklearen Krieg gäbe es noch eine Milliarde Kopien. So eine Welt bewohnen wir längst. Wir haben virtuelle Kakerlaken, die all unsere Ideen propagieren. Das ist wundervoll.

NDR Online: Wie haben Sie Ihren Verleger davon überzeugt, Ihre Bücher im Netz zur Verfügung zu stellen?

Cory Doctorow: Tor ist der größte Science-Fiction-Verlag der Welt. Tors Cheflektor habe ich 1988 in einem Bulletin Board System (Anm. der Redaktion: Ein Kommunikationssystem, über das auch Dateien ausgetauscht werden können) kennengelernt. Er ist ein Computerfreak und unterhält seine eigenen Linux-Maschinen. Er hatte bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht mit digitalen Büchern, finanziell war das immer ein Desaster. Er war offen für Neues und hat mir freie Hand gelassen. Es hat dann gut funktioniert, alle Erwartungen wurden übertroffen. Mittlerweile erlebt das Buch, um das es damals ging, seine siebte Auflage. Ich höre von anderen Autoren, dass sie ebenfalls gute Erfahrungen mit dem freien Teilen sammeln. Alle, die das ausprobieren, machen es bei ihrem nächsten Buch wieder.

NDR Online: Auf Ihrer Webseite craphound.com bieten Sie einen sogenannten Page-a-day-Service an. Sie experimentieren mit neuen Wegen, um den Lesern Literatur nahezubringen?

 

English: Cory Doctorow in his officeCory Doctorow: Es ist sogar noch besser. Ich mache gar nichts. Ich stelle nur die Bücher zur Verfügung, und andere Leute denken sich spannende Sachen damit aus. Ich beschäftige mich lieber mit Bücher schreiben. Ein Fan hat den „Page-a-day“-Service programmiert. Täglich kann man sich eine Buchseite zusenden lassen. Andere meiner Leser übersetzen das Buch in fremde Sprachen. Es gibt slowakische, spanische und niederländische Versionen. Die spanische Version kam übrigens raus, als auch die offizielle spanische Version auf den Markt kam. Ich finde das aufregend.

NDR Online: Haben Sie Tipps, wie Kreative mit dem Internet umgehen sollten? Wie sollen sie es für sich nutzen?

Cory Doctorow: Es ist ähnlich wie im Schach – man muss sich alle Möglichkeiten offen halten. Je besser ein Werk erhältlich ist, desto mehr Möglichkeiten eröffnen sich, um damit Geld zu verdienen. Aber an diesen Möglichkeiten sollte man nicht festhalten. Denn die Technologien entwickeln sich permanent weiter, man muss Schritt halten. Man muss sich darauf einstellen, seine Geschäftsmodelle ständig zu ändern.

 

Weiterführende Informationen:

Creative Commons: Kopieren erwünscht

 


Cory Doctorow: „Backup“ kostenlos downloadbar


Der neue Roman von Cory Doctorow, Backup, wird in deutscher Übersetzung von Heyne unter einer CC-Lizenz als PDF kostenlos zum Download angeboten. Wer lieber das englische Original, das unter dem Titel unter dem Titel Down and out in the magic kingdom erschienen ist, lesen möchte, kann sich sein Lesefutter hier holen.

 

Der Downloadlink scheint nicht mehr auf der verlinkten Seite zu bestehen!

 



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