[ Meinung! } „Liebes Facebook, du kotzt mich an!“

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°Liebes Facebook, du kotzt mich an!°

by Karsten Wusthoff, via: socialtoday.de


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Liebes Facebook, du kotzt mich an!

Mark Zuckerberg, founder and CEO of Facebook
Mark Zuckerberg, founder and CEO of Facebook (Photo credit: Wikipedia)

So ganz brandheiß ist die Geschichte auch nicht mehr, aber noch warm genug, als dass sich mein Gemüt daran entzündet. Die Rede ist natürlich von der Einführung der Promoted Posts für Privatnutzer  im Gesichtsbuch. Das ist allerdings nur der Stein des Anstoßes, der den überlaufenden Tropfen in das bereits sehr gefüllte Fass meiner Facebook-Abneigung schubst.

Eigentlich ist das natürlich nichts, worüber man sich gesteiger aufregen sollte oder müsste. Hysterie aufgrund dieser Funktion ist dementsprechend überflüssig, wie der von mir wirklich sehr geschätzte Thomas Knüwer schön schreibt. Auch im Punkt, dass Facebooks Tod dadurch natürlich nicht besiegelt ist, stimme ich Thomas zu. Dennoch muss ich ihm zeitgleich auch vehement widersprechen. Denn in seiner durchaus positiven Sicht der Dinge, vergisst er zwei große Brocken. Und die liegen mir so schwer im Magen, dass ich sie am liebsten vor Zucks Adiletten speien würde.

~~~

 

Marketer bekommen alles kaputt

EdgeRank
EdgeRank (Photo credit: AJC1)

Schauen wir uns also zuerst die neue Funktion an. Menschen können (voraussichtlich) dafür bezahlen, dass ihre Updates garantiert im Stream ihrer Freunde auftauchen und nicht durch den Edgerank aussortiert werden. Das trifft auch nur zu, sollten diese ihren Stream nicht sowieso schon von Hand von “Hauptmeldungen” auf “Neueste Meldungen” umgestellt haben haben.

Das hat natürlich viele nützliche Einsatzgebiete. Wohnungssuche, Abwesenheitsmeldungen, Jobangebote etc. Alles legitime Gründe, ein oder zwei amerikanische/europäische Mark in die Hand zu nehmen und die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Dummerweise gibt es aber eine große Menge an Arschgeigen da draußen, die Dinge mit guten Funktionen bewusst kaputt machen.

Facebook headquarters in downtown Palo Alto, C...
Facebook headquarters in downtown Palo Alto, California. (Photo credit: Wikipedia)

Damit sind natürlich die Marketing-Menschen gemeint. Die selben, die Emails, Telefon, Post und nicht zuletzt auch die Facebook Veranstaltungsfunktion für Werbezwecke missbraucht und dem ganzen ein ständiges “Geschmäckle” verpasst haben. Insbesondere letzteres ist ein wirklich großartiges Tool, das einem viel Zeit ersparen könnte. Wer allerdings schon einmal versuchte, ein Event über Facebook zu organisieren stellt fest, dass ein Großteil der Menschen von Einladungen nichts mitbekommen. Warum? Na weil auch ich die Benachrichtigungs-Funktion abgeschaltet habe, nachdem mich 100 Pillemänner 100 Mal zu irgendwelchem Scheiß eingeladen haben. Scheiß, der mir was verkaufen wollte, an dem ich unmöglich teilnehmen konnte, mit dem sie auch 2000 andere zugespamt haben.

 

Es klimpern die Sargnägel!
Zu sagen, diese Funktion wird nich ad absurdum geführt werden, ist zwar sehr löblich-optimistisch, geht aber leider an der Realität vorbei. Sicherlich werden keine großen Brands damit anfangen, falsche private Profile für diese Art der Werbung zu benutzen. Es werden vielmehr der Promoterfreund, die kleine Disco an der Ecke oder der windige Internetmarketer tun. Ich kenne aus allen Bereichen mehrere Beispiele, wo diese Profile extra nur zu Event-Spamzwecken gehalten und gepflegt werden. Und jeder, dessen “normale” Email an einen Freund/Kollegen schon mal vom Spamfilter gefressen wurde (also jeder), weiß, dass die “guten” unter den “schlechten” leiden.

Das ist wie gesagt aber noch der harmlose Teil. Denn…

 

Facebook macht sich selbst kaputt

Ich fühle mich verarscht!
Auch wenn ich Thomas zustimme, dass Zuck noch länger mit dem blauen Riesen durchs Netz schaukeln wird, so glaube ich doch, dass man in Palo Alto von einer rosigen Zukunft weit weit entfernt ist. Vielmehr klimpern die Sargnägel, die sich langsam ins Holz treiben, erschreckend laut.

Facebook zeigt durch die neue Funktion nämlich wieder einmal, welchen Kurs das Unternehmen fährt. Und dieser führt sie weg vom Kerngeschäft und hin zu den tödlichen Sirenen, die jedes öffentlich gehandeltes Unternehmen in Gefahr bringen: Befriedigung der Shareholder und massakrieren der eigenen Nachhaltigkeit.

Es geht also nicht mehr um die Verfolgung und Optimierung der Vision, Menschen mit einander zu verbinden, sondern um Rendite, Gewinn, Politik. Und das führt bei einem so sozialen Ökosystem wie Facebook nie zu etwas gutem. Im Gegenteil: Ich behaupte, der Anfang vom Ende begann mit dem Börsengang.

Werbung, Edgerank, Promoted Stories, Datenschutz usw. Das alles lassen sich die Nutzer nur gefallen, weil die Kernfunktion noch immer erhalten und nutzbar ist: Teilen, Kontakte knüpfen, Gemeinschaft machen. Wird diese aber angegriffen, gibt es auch hier kein “Too Big To Fail” mehr. Das wird durch die aktuellen Tests der Promoted Posts nicht sofort passieren, aber es ist ein Schritt in diese Richtung. Und wer glaubt, dass man hier aufhört, der ist einfach nur naiv.

 

Ich fühle mich verarscht

DRK-Gesicht4- verarscht
DRK-Gesicht4- verarscht (Photo credit: adff_sunnymaster)

Und das alles führt mich zu meiner eigenen Wut über diese Vorgänge. Denn ich mag mochte Facebook. Sehr sogar. Ich hab nichts dagegen, mit meinen Daten zu bezahlen und an der Seite Werbung oder Updates von mir “geliketer” Marken angezeigt zu bekommen. Auch die Filterung durch den mysteriösen Edgerank und die Beschneidung der Sichtbarkeit meiner eigenen Seitenbeiträge sind mir einerlei – solange unter’m Strich alles funktioniert und ich meinen Nutzen daraus ziehe.

Diese Toleranz sinkt aber ganz schnell asymptotisch gen Null, wenn mir besagtes Unternehmen Quark vorgaukelt. Wenn mir erzählt wird, dass es um den Nutzer geht. Dass neue Funktionen “meinem Nutzen” dienen. Dass mein tolles, soziales Erlebnis und besagter Nutzen Teil einer Vision ist. Und das alles obwohl sich immer mehr zeigt, dass es eben nicht um mich geht, sondern um den schnöden und in dem Fall widerlich diktierenden Mammon.

Und das kreide ich Facebook an. Das bringt mich auf die Palme. Diese Lügen, die Märchen, die Verarsche. Diese Unternehmenskultur, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hat und mich als Ware verschachtert, mir aber weismachen will, es sei nicht so. Eine Kultur, die mich als Rädchen in einem orchestrierten Unternehmensplan sieht, in der ich als Mensch nicht mehr vorkomme.

Facebook hat die Bewegung “Social” losgetreten und die Erwartungen an eben solche Kulturen auf Kunden-/Nutzerseite hochgeschraubt. Und nun wird es durch seine eigene Bewegung zu Fall gebracht.

Es sei denn, irgendwer dort lässt sich wieder ein paar Eier wachsen und reißt das Ruder herum. In den sauren Apfel beißen und nach Richard Bransons Vorbild einfach mal die Hoheit über sein eigenes Unternehmen zurück kaufen. Weniger Dollars, dafür mehr Herz.

Denn ehrlich: Wäre ich nicht beruflich an dieses Netzwerk gebunden, ich wäre längst weg. Und selbst diese Bande, verdünnisieren sich immer mehr. Vielleicht werd ich ja dann der erste Social und Media Berater, der nicht mehr auf Facebook vertreten ist… Mein Leben wird weitergehen. Und das von allen, die es mir vielleicht irgendwann gleichtun. Facebook hingegen wird daran sterben. Nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann.

 

tl;dr
Die neuen Promoted Posts für Privatnutzer werden von Marketern als Spamschleuder missbraucht werden. Außerdem ist das ein Zeichen dafür, dass Facebook sich tatsächlich nicht um seine Nutzer sondern um seine Aktionäre kümmert – uns also allen etwas vorspielt. Und das macht wütend und irgendwann wird Zuck damit auf die Schnauze fliegen.

 

Text: by Karsten Wusthoff, via: socialtoday.de

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Artikelbild: Ksayer1CC-BY-SA

 

 

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